Everybody's fucked in his own special way

Freitag, 20. Oktober 2017

Späte Früchte



Normalerweise fallen bei unserer Feige erst die Früchte, dann die Blätter. Dieses Jahr ist es umgekehrt. Wie ich schon geschrieben habe, sind im Frühling die ersten Fruchtansätze erfroren, die Feige hat dann erst spät neu angesetzt. Dank des spätsommerlichen Wetters sind aber doch noch ein paar Feigen reif geworden, jeden Tag kommen gerade 5-10 dazu. Wenn das Wetter noch ein bisschen hält, können wir also zumindest noch einen Teil ernten. 

Dienstag, 17. Oktober 2017

Kunst und Wirklichkeit



(Skulptur von Christel Lechner in der Invalidenstraße mit ortstypischer Ergänzung eines Passanten.)

Sonntag, 15. Oktober 2017

Bedeutende Dienstreisen (32)

Als ich am Hauptbahnhof stehe, ziehen dunkle volle Wolken über den Berliner Himmel, in mehreren Schichten, offenbar sind die Windgeschwindigkeiten in den verschiedenen Höhen sehr unterschiedlich. Es sieht irgendwie so aus, als hätte ein ambitionierter Regisseur hier eine 3D-geeignete Computeranimation bestellt. 

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Bei der Fahrt von Berlin nach Hamburg fragt man sich immer, ob Deutschland wirklich so eng besiedelt ist. Vorbei an Industrieruinen, endlosen Feldern, Windturbinen. Wunderbare Bilder, allerdings kann man bei 220 km aus dem Zugfenster nicht gut fotografieren. Bei mir am Tisch sitzen junge Frauen, die sich auf englisch unterhalten. Sie haben ihre Laptops vor sich und schieben Zahlen für ein Budget hin und her. Die Kleidung ist unauffällig, nichts von dem üblichen Business-Outfit, alle sind wohl unter Dreißig. Hätte mich interessiert, welche Branche das war. Aber nach drei Minuten war klar, wer die Chefin bei dem Trupp war. 



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Was mich an Hamburg fasziniert, ist, dass man nur irgendwo mit der U-Bahn hinfahren muss, um Gegenden zu finden, die viel abgeranzter sind, als alles was man in Berlin findet. Ich weiß nicht, ob das jetzt schon Berliner Lokalpatriotismus ist. Ich schaue mir nicht genau an, wo ich hin muss, steige falsch aus und kann ein bisschen herumspazieren. In Hamburg findet man auf der Straße allerdings viel mehr kaputte Regenschirme als in Berlin.

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Der Hafen ist schon beeindruckend. Wenn man einfach gegen die Sonne fotografiert, kriegt man auch ein paar nette Bilder. 

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Vor meinem Termin gibt es eine Besichtigung der Elbphilharmonie. Ich habe das Thema bis jetzt einigermaßen verschlafen, dachte mir, ich steige irgendwo aus und gehe dann einfach auf das hässlichste große Gebäude zu, das ich sehe, aber da gab es zu viel Auswahl. Also nähere ich mich mit Handynavigation. Wir haben eine hansatisch wichtige Führerin, die uns gleich erklärt, dass man nicht fotografieren kann, weil sonst der Archtitekt schlimm weinen muss. (Aus mir unerfindlichen Gründen erklärt sie, dass man die Handys auf "Flugmodus" stellen soll, weil nicht fotografiert werden darf.) Als erste Attraktion gibt es eine lange Rolltreppe. Glamouröser kann es ja kaum noch werden. 

(Ich durfte nicht fotografieren, bitte jetzt selbst lange Rolltreppe vorstellen. Groovy, wa?) 

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Ich habe ja leider von Architektur keine Ahnung und auch keinen Ehrgeiz, das grundlegend zu ändern. Die Elbphilharmonie ist aber in erster Linie ein großes Treppenhaus, in dem es keine geraden Linien gibt. Also etwa, Hundertwasser, allerdings ein Hundertwasser, dem die Farben ausgegangen sind, da alles entweder Eichenparkett (von speziellen Eichen aus Spanien, die von 100jährigen Schnitzern nackt mit kleinen handgeschmiedeten Messern in Form geschnitten wurden ) oder weißer Putz (der aus sieben Schichten afrikanischen gestoßenen Muschelschalen besteht) ist. Ich stelle mir Architekten vor, die sich freundliche Drogen einwerfen, abstruse, irrsinnig teure und sinnlose Ideen sammeln, am nächsten Tag zum Auftraggeber gehen, um ihn ein bisschen zu verarschen, und dann äußerst überrascht sind, dass alles anstandslos genehmigt wird. Die Führerin erläutert auch, warum es ein äußerst geschickter Schachzug war, bei der ursprünglichen Entscheidung die Kosten um den Faktor 12 zu niedrig anzugeben. Aber ich bin ja ganz in der Nähe von Neuschwanstein aufgewachsen, da ist man derlei Größenwahn gewohnt.

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Aber wollen wir mal nicht so sein, so eine knappe Milliarde zahlt man doch gerne. Und immerhin wird die musische Ausbildung von Kindern gefördert (or so they say). Der Konzertsaal wurde natürlich auch von einem japanischen Meisterakustiker gestaltet, der in der Nacht in sich hineinhört und an seinem Bauchglucksern den Füllstand des Magens auf den Kubikzentimeter genau berechnen kann. Gute Männer kosten halt auch Geld. Die Führerin erzählt auch etwas davon, dass der Konzertsaal akustisch entkoppelt sei, weil es tatsächlich störend sein könnte, während eines Konzerts das Tuten der Nebelhörner der Kreuzfahrtschiffe zu hören. Wer hätte das gedacht! Wunder der Technik! Und letzthin hätten die Einstürzenden Neubauten gespielt, da hätte man draußen nix gehört! (Wie schön!) Auf Nachfrage eines Teilnehmers, wer denn die Einstürzenden Neubauten seien, antwortet sie "eine herzerfrischende Mischung aus Punk und Heavy Metal". Genau, genau!

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Äußerlich ungerührt, innerlich erschüttert geht es dann zum eigentlichen Meeting. Ich wurde gebeten, etwas zu einem Thema zu erzählen, das eigentlich keiner hören will. Wenn ich nicht gerade mit sinnlosen Aufträgen durchs Land reise, ist das Überbringen schlechter Nachrichten mein eigentlicher Job. Die Diskussion überstehe ich, ohne dass mir körperliche Gewalt angedroht wird, ein schöner Erfolg. 

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Die Zugfahrt nach Hause bleibt ereignislos. Am Abend eine Nachwirkung des Tages: Ich rege mich eine halbe Stunde lang über einen belanglosen Zeitungsartikel auf, obwohl ich mich eigentlich selten aufrege. Den Mund zu halten, wenn jemand von "herzerfrischenden Mischungen von Punk und Heavy Metal" spricht, hat halt seinen Preis.  

(In der Nacht träume ich davon, dass ich der Elbphilharmonie ein paar Millionen spende und dafür ein paar Urinale in der Philharmonie mit persönlicher Widmung versehen werden.)

Samstag, 14. Oktober 2017

Unerklärliche Erscheinung


Auf nasser Straße
erstand
- wie durch Zauberhand -
ein Hase.

(Okkulter Vers, Berlin, wahrscheinlich um das 12. Jhd.)