Everybody's fucked in his own special way

Freitag, 24. November 2017

Bedeutende Dienstreisen (34)

Wie ich letzthin schon schrieb, bin ich gerade viel unterwegs. Allerdings bleibt nur selten genug übrig, um einen der regulären Dienstreisenposts zu machen. Zu wenig Bilder, zu wenig interessante Entdeckungen, keine drolligen Begebnisse. Nun bin ich auch schlau genug zu wissen, dass das wenig mit den Reisen zu tun hat. Auch bei den bisherigen Dienstreisen-Posts ist ja nie irgendetwas besonders interessantes oder bedeutendes passiert. Es ist eher eine Frage, wie man die Dinge wahrnimmt und da muss man wohl konstatieren, dass ich, der sich normalerweise stundenlang mit einem Zettel oder Stöckchen am Wegesrand beschäftigen kann, im Moment eher stumpf durch die Gegend fahre. Dann schreibe ich eben ein paar stumpfe Posts. 


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Der Tag beginnt mit den dümmstmöglichen Begebnissen. Der Zug, den ich gebucht habe, fährt um zwanzig Minuten früher als auf der Fahrkarte steht. So etwas ist kein Problem, wenn man es vorher weiß. Ich stehe also um kurz vor sieben am Hauptbahnhof und versuche, meine nächste Verbindung zu organisieren. Die Wagenreihung vom nächsten Zug weicht von der Wagenstandsanzeige ab, d.h. es gibt eine Version auf der Wagenstandsanzeige und eine auf der Anzeige am Bahnhof, im Waggon wechselt die Nummerierung auf den Displays mehrfach von Waggon 22 zu Waggon 32. Tückisch, wenn man in einem Zug sitzt, der in Hamm geteilt wird und man eigentlich schon im richtigen Zugteil sitzen will. Mir ist es eh wurscht, die Reservierung hatte ich ohnehin nur für den Zug, den ich verpasst hatte. Anders als mein Hintermann sitze ich auch glücklicherweise im richtigen Zugteil. Letzlich habe ich mir ja aber vor zwei Jahren vorgenommen, mich über nichts mehr bei Dienstreisen aufzuregen, und halte mich auch daran. Irgendwann kommt man immer irgendwie irgendwo an. Wäre dieses Blog ein Roadmovie, würde sich der Protagonist am Ende der Reise geändert haben. So bleibt aber alles gleich, eine endlose Abfolge von Reisen, Treffen, Verspätungen, deren Zweck im Nachhinein exklusiv darin zu bestehen scheint, dass irgendwer irgendwohin fährt. Mehr rituelle Handlung als geschäftliche Zielsetzung.

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Aus dem Zugfenster sehe ich den Sonnenaufgang. Der Himmel ist blau, von weißen Streifen durchschnitten, am Horizont die Sonne hat einen intensiv goldenen Schein, wie man ihn nur an klaren Herbsttagen sieht. Auf meiner Zugseite wird die karge Landschaft mit Gold überzogen. 
Es gibt nichts merkwürdigeres und wunderbares als die Landschaft neben den ICE-Trassen. Eine Mischung von Weideland, Gewerbegebieten, alten verfallenen Bahnhofsgebäuden, Schrottplätzen. Man möchte alle 100 Meter anhalten und ein Foto machen. 



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Ankunft. Ich komme zwar zu spät, meine Abwesenheit hat aber noch nicht gestört. Ich höre einen bemerkenswerten Vortrag, in dem der Vortragende bestimmte Entwicklungen darauf schiebt, dass das Moralgefühl der Massen seit der Kaiserzeit immer schlechter geworden sei. Im Publikum aber wenig Monarchisten, die Auffassung findet keinen Anklang. 



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Am Bahnhof für den Rückweg. Am Bahnsteig 10, der eigentlich vorgesehen war, ist angezeigt, dass der Zug heute von Bahnsteig 16 gehen soll. Am Bahnsteig 16 ist der Zug aber  nicht angezeigt. Rechtzeitig höre ich dann, dass der Zug von Gleis 18 geht. Ich bin rechtzeitig da; wie das jemand rausfinden soll, der etwas langsamer zu Fuß ist oder nicht richtig deutsch kann oder der nicht wie ich immer dreimal nachsieht, weiß ich auch nicht. 



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Mir gegenüber sitzt ein Cellist mit den Noten von Schwanensee. Auf dem Hinweg saß vor mir eine Frau mit den Noten zu "Küssen kann man nicht alleine". Zumindest kulturell geht's bergauf.

Mittwoch, 22. November 2017

Im Zug (2)

Ich bin gerade die ganze Zeit unterwegs, aber es findet sich nicht der richtige Stoff für Dienstreiseposts, keine Fotos, keine Begebenheiten. Nur Mitreisende.

Ich bin zu früh am Bahnhof und stelle fest, dass ich eigentlich einen früheren Zug nehmen kann. Mein Ticket ist flexibel. Ich steige ein, der Zug wurde am Ostbahnhof bereitgestellt, so dass am Hauptbahnhof fast alles noch frei ist. Vielleicht die Hälfte der Sitze ist reserviert, also kein Problem, Platz zu finden. Kaum habe ich mich hingesetzt, kommen eine Reihe von jungen Leuten in den Großraumwagen. Sie haben offensichtlich zwei Vierertische reserviert (Berlin - Bad Oeynhausen). Sie tragen alle Trainingsanzugsjacken auf denen "Eastgate Borussen"* steht. In die Gepäckablage wandern Bierkästen und Schnapsflaschen. Der erste Mitreisende steht auf und geht vorsichtshalber einen Waggon weiter. Ich habe nie verstanden, wie man bereits um acht Uhr in der Früh stockbesoffen sein kann, aber es muss gewisse Reize haben. Einer der Borussen sucht den Weg auf die Toilette und rennt deswegen ein bisschen die Gänge auf und ab. Ein anderer probiert aus, ob es im Waggon beim Rülpsen ein Echo gibt. Der Waggon leert sich weiter. Ich bleibe noch, überlege mir, ob es wohl möglich sein wird zu arbeiten, und wünsche mir meine sensible Mitreisende von letzter Woche ins Abteil. Zwei Borussen diskutieren die genaue Mischung einer Bloody Mary, ein anderer sucht den Bierkasten, den er vor fünf Minuten in die Gepäckablage gestellt hat. Auf dem Gang treffen sich mehrere Borussen, die in verschiedene Richtungen ausgeschwärmt sind, um das Klo zu finden. Weitere Reisende wechseln den Waggon. Die Borussen freuen sich über die Bewegung und verdächtigen sich gegenseitig, dass jeweils der Gestank des anderen die Mitreisenden vertreibe. Zwei streiten sich, wer in und wer entgegen der Fahrtrichtung sitzen darf, untermauert mit physikalischen Überlegungen, in welcher Richtung man schneller kotzen müsse. Ich bin jetzt allein mit den Borussen im Waggon. Unerwartet kommt das Gespräch der Borussen auf Politik. Nicht alle der Borussen wussten, dass am Abend die Sondierungen beendet wurden. Einer erklärt laut, dass er es gut finde, dass der Lindner da einfach aufgestanden sei, also er finde das gut, dass der Lindner einfach gegangen sei, irgendwie finde er das gut. 

Ich suche mir einen anderen Waggon.  


*Die hießen etwas anders. Ich habe aber festgestellt, dass die eine eigene Website haben, auf der auch Fotos von ihren Reisen eingestellt werden. 

Samstag, 18. November 2017

500.000

Fast zwei Jahre hatte es anfangs gebraucht, um die 50.000 Zugriffe zu erreichen (die Beschreibung der damaligen Festivitäten findet sich hier). Inzwischen sind wir nach über fünf Jahren (seit 17.11.2017, irgendwann nach 10 Uhr) bei 500.000 Zugriffen angelangt. Das ist immer noch fernab jeglicher Massenwirksamkeit oder kommerzieller Verwertbarkeit (die hier eh nicht gesucht wird), aber trotzdem: offenbar lesen hier doch ein paar Leute mit. 

Mindestens die Hälfte der 500.000 sind Spambot-Zugriffe, da ich nicht denke, dass hinter Zugriffen aus Frankreich, Irland oder Russland wirklich Leser stecken. Aber auch dann ist das noch eine ganz nette Bilanz. Spannender ist für mich immer die Anzahl der Kommentar: Hier sind wir inzwischen bei weit über 11.000. 

Allen Leserinnen und Lesern herzlichen Dank! Wie schön so ein Jubiläum feiern zu können, sonst müsste man ja schon wieder ein Bild von Schuhen vor der Bustür bringen.  

(Wenn der derzeitige Betrieb anhält, feiern wir die erste Million im Februar 2022).

Donnerstag, 16. November 2017

Im Zug

Ich suche meinen Platz, Großraumwagen, Vierertisch. Mir gegenüber sitzen zwei junge Männer. Auf der anderen Seite des Ganges sitzt ein älteres Ehepaar am Vierertisch an den Fensterplätzen, das Gepäck auf die noch freien Plätze gelegt, damit gar nicht erst jemand auf den Gedanken kommt. 

Die jungen Männer sind wohl Freunde, die gemeinsam einen Ausflug nach Berlin machen. Sie unterhalten sich in normaler Gesprächslautstärke über gemeinsame Bekannte, Kinder, Hochzeiten. Ich klappe meinen Computer auf und bearbeite meine E-Mails. Mein Gegenüber erzählt jetzt etwas von einer Kiefer-OP, ich konzentriere mich auf die Arbeit. Plötzlich kommt die ältere Dame von nebenan und bittet die jungen Männer, leiser zu reden. Das Thema würde sie nicht so interessieren. Ich schaue sie überrascht an, die zwei hatten sich eher leise, in vollkommen normaler Lautstärke unterhalten. Die zwei sagen aber, kein Problem, und führen dann die Unterhaltung fast flüsternd weiter. Ich versuche weiter zu arbeiten und muss mit halbem Ohr einer Unterhaltung zwischen dem Ehepaar über verschiedene zu bezahlenden Rechnungen zuhören. Den jungen Männern wird das Flüstern zu langweilig, der eine holt sein Handy und einen Kopfhörer heraus und hört über Kopfhörer Musik. Zuerst dringt noch viel nach außen, sein Kollege, der mithört, lässt aber leiser stellt. Beide hören dann über Kopfhörer, ab und zu dringt ein leises tz oder brp von der Musik zu mir. Da steht wieder die Dame neben ihnen und sagt, das sei alles störend und sie bitte darum, dass die Musik leiser gestellt wird. Mir wird das jetzt irgendwie zu dämlich und ich sage, dass ich genau gegenüber sitze und nichts außer leichtem Brummen höre, sie dagegen sitze noch ein paar Meter weiter entfernt. Sie sagt, das müsse eben daran liegen, dass ich schlechte Ohren habe, sie höre die Musik und fühle sich gestört. Ich sage ihr, dass ich auch ihre Unterhaltung über die Überweisungen mithören musste, ein Zugabteil sei eben kein Schweigekloster. Sie meint noch, es handele sich aber hier um ein Ruheabteil und geht dann beleidigt wieder. Wir sitzen im Zug in einer Familien- und Handyzone, kaum ein Ruheabteil.

Die jungen Leute hören weiter Musik. Natürlich höre auch ich jetzt manisch in die Stille, ob nicht doch irgendetwas von der Musik zu hören ist, spüre jedem tz und brp nach und kann mich kaum auf die Arbeit konzentrieren. Selten sind mir die Minuten im Zug so lange geworden. Ich setze mir selber Kopfhörer auf und höre das Wohltemperierte Klavier, keine Ahnung, ob das jetzt auch einen der Anwesenden belästigt. Mich spricht zumindest keiner an.

Später steigen noch mehr Leute ein, neben das ältere Ehepaar setzen sich andere Leute, die mit ihnen dröhnende Unterhaltungen führen. Irgendwann geht eine Mutter mit zwei kleinen Kindern durch den Waggon, sie trägt auf dem Rücken ein etwa 1,20m großes rosa Einhorn aus Plüsch. Alle Passagiere an den Vierertischen sehen Mutter und Einhorn nach, in sanftem Neid auf sie vereint. 

Dienstag, 14. November 2017

Oberflächen

Im Urlaub kam ich manchmal gar nicht richtig vom Fleck, weil mich die Straßenoberflächen oder die Wände so fasziniert haben. Risse, Flecken, Verwitterung, zufällige Strukturen und Muster. Ein bisschen ist ja auch schon hier im Blog gelandet



Ganz neu ist diese Beschäftigung ja nicht, allerdings hat das ganze dann noch einmal einen Schub gemacht. Wahrscheinlich war es für mich ähnlich wie für einen jungen Hund, der spazierengeht, während der von den ganzen interessanten Gerüchen überwältigt wird, konnte ich an keiner verwitterten oder mit Flechten überzogenen Fassade vorbei gehen. 



Das Interessante an den Bildern sind ja dann die Strukturen (anders als sonst bearbeite ich nach, indem ich den Kontrast steigere). Solcher Inhalt ist dann aber eine Wendung des Blogs ins Ästhetische, die ich aus verschiedenen Gründen lieber vermeiden würde. Allerdings habe ich ja viel weniger Einfluss auf meine Bloginhalte, als sich so mancher vielleicht vorstellt.

Montag, 13. November 2017

Feine kleine Blogaktion

Letzthin habe ich bei einer Blogaktion beim Fellmonsterchen mitgemacht. Die Idee kam vorher von Beagle Tibi, ich habe noch versucht, herauszufinden, wer die Aktion ursprünglich initiiert hat, aber da gab es wohl schon viele Runden. Die Idee ist so einfach wie schön: Die ersten drei Kommentatoren mit eigenem Blog bekommen irgendwann im Jahr ein Überraschungspäckchen mit Kleinigkeiten. Bedingung ist nur, dass sie dann auch einen Blogpost machen und den drei ersten Kommentatoren irgendwann Päckchen schicken. 

Am Freitag habe ich das Päckchen vom Fellmonsterchen bekommen. Der Inhalt zeigt, wie beunruhigend gut sie mich einschätzen kann. Drin zu finden waren: Noisetteschokoladekugeln, ein Fläschen Bio-Ouzo, Vinyl-Glasuntersetzer, die wie kleine Schallplatten aussehen, sowie ein Kärtchen. All das passt wunderbar. Die Glasuntersetzer-Schallplatten haben dann sogar noch kleine Label mit passenden erfundenen Liedtiteln "Cover and Protect" (das war eigentlich die erste Version von "Search and Destroy" von den Stooges), "Tea time (don't spill this)" (Ältere werden sich daran noch als die B-Seite von "I'm a believer" von den Monkees erinnern) oder "No marks on the table" (das einzige Lied, das von der Zusammenarbeit von the Who und den Grateful Dead jemals veröffentlicht wurde).

Besser hätte man Kleinigkeiten für mich nicht zusammenstellen können, vielen Dank!

Und nun geht es weiter: Wer von mir ein Kleinigkeiten-Päckchen bekommen will, kommentiert hier unter dem Beitrag. Leider können nur Blogger mitmachen, damit die Aktion weitergeht. Das Päckchen kommt dann irgendwann in den nächsten sechs Monaten. 

Ich bin ja eigentlich bei Blogaktionen eher zurückhaltend, aber diese finde ich sehr schön. Als ich nach der Schule durch Griechenland reiste, fand ich es beim Essen immer schwierig, wenn man zusammen zahlte und nicht einzeln abrechnete. Das hatte den einfachen Grund, dass ich damals nur ein sehr bescheidenes Budget hatte, und mir deswegen nur wenig oder günstige Sachen bestellte. Wenn man dann mit etwas hungrigeren Leuten am Tisch saß und einfach die Rechnung durch die Anzahl der Personen teilte, konnte das mich praktisch ein Tagesbudget kosten. Die Griechen, mit denen ich darüber redete (die sich auch alle über die "Deutsche Rechnung" lustig machten), konnten das gar nicht verstehen. In Griechenland ist es wohl so, dass, wenn man in der Gruppe unterwegs ist, immer nur einer zahlt. Auf meine ungläubige Nachfrage, dass doch beim nächsten Mal vielleicht ganz andere Leute dabei seien und die einen doch mehr und die anderen weniger äßen, zuckten meine Gesprächspartner nur die Schultern. Irgendwie gleiche sich das alles schon aus, einmal zahlt man halt, das andere Mal zahlt jemand anders. Diese Sicht finde ich sehr sympathisch, zu geben, auch wenn man nicht unmittelbar weiß, ob es eine Gegenleistung gibt, sondern darauf vertrauen, dass die Großzügigkeit immer weitergegeben wird (und dann vielleicht auch einmal wieder bei einem selbst ankommt). Die Briten haben dafür den Ausdruck "Random acts of kindness", ein schönes Konzept.

Samstag, 11. November 2017

Wichtige Durchsage der BVG!



Vor dem Betreten des Busses Schuhe ausziehen!

("Solange hier nich alle in Socken sind, fahrma nich los. Ick hab Zeit....")

Freitag, 10. November 2017

Ich war in Brüssel!



Das könnte ein frittiertes Saxophon sein. Frau Kirschblüte hat mich überzeugt, dass das eine belgische Spezialität sei.

(Noch ein wertvoller Tipp für Dienstreisen: Unbedingt unmittelbar vor einem festlichen Abendessen mit einem Kollegen 150 m vom Lokal entfernt eine Tüte Fritten essen. Am besten dann mit den Fritten noch schnell auf ein kleines Bier in ein Straßencafé setzen, möglichst so, dass ein Vorgesetzter einen im Vorbeigehen trotz bester Deckung sieht und zwingt, vor dem Abendessen noch weitere Biere zu trinken. Beim Dinner dann ausführliche Tischgespräche über Schopfmakaken und Pinguine führen. Wenn außer einem selbst keiner mehr redet, heißt das nur, dass alle gebannt zuhören). 

Donnerstag, 9. November 2017

S 1

Auf dem Heimweg in der S1. Draußen ist es schon dunkel, die Bahn ist gut gefüllt. Ich stehe in der Tür, schaue von meinem Smartphone auf, um zu sehen, an welcher Station wir sind. Meine Mitreisenden schauen auch auf die Handys oder in Bücher, einer trinkt sein Feierabendbier. Ich schaue durch den Waggon, da fallen mir, nacheinander, drei Frauen auf, die sich ebenfalls im Waggon umsehen. Alle drei haben kupferfarbenes rötliches Haar, leicht geflochten. Sie sitzen weit auseinander, dürften etwa 25, 40 und 60 Jahre alt sein. Sie könnten die gleiche Person, nur in verschiedenen Lebensaltern, sein. In einer S-Bahn, in der niemand die Mitfahrenden ansieht, sehen sie mich, nacheinander, mit müden Augen an,  und senken dann den Blick, als hätte ich einen Test nicht bestanden. Für einen Moment bin ich mir fast sicher, in eine merkwürdige Zeitreisenden-Geschichte geraten zu sein. Was passiert jetzt noch in der S 1, dass die Zeitreisende in drei Manifestationen mitfährt? 

Bevor ich es erfahre, muss ich aussteigen.



Dienstag, 7. November 2017

Reisenotizen

Bei den Dienstreisen habe ich ja nicht das Vergnügen, über die Alpen zu fliegen, bei unserer Hinreise allerdings schon. Und es war zwar bewölkt, aus den Wolken ragten allerdings die Gipfel heraus. Eine wirklich schöner Anblick, auch für einen routinierten aus dem Flugzeugfensterstarrer wie mich. 



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Wir kommen an zur letzten Woche der Saison. Viele Läden haben schon zugemacht, einige richten sich auf die letzten Tage ein. Den Leuten in den Touristenläden merkt man eine harte Saison an: Ein halbes Jahr fast rund um die Uhr schuften, um genügend Geld für den Winter zurück zu legen. Trotzdem sind die Leute noch aufmerksam und freundlich (ich hoffe mal, dass das auch daran liegt, dass unser Hotel ein vernünftiger Arbeitgeber ist). Weil wir im Tourisneyland sind, merkt man nur wenig von den Problemen der wirklichen Welt. Das wenige, was ich von den Einheimischen zu der Frage der katalanischen Unabhängigkeit aufschnappe, zeigt wenig Sympathie für die Katalanen. Das ist auf den Balearen, die zwar nicht zu Katalonien gehören, deren Amtssprache aber auch katalanisch ist, doch überraschend. (Aber wie gesagt: Wir waren nur im Tourisneyland. Ein ausführlicheres Gespräch haben wir noch mit einer deutschen Barbesitzerin geführt. Das hat bei mir zu der Vermutung geführt, dass es bestimmte Arten von Wahnsinn gibt, die bevorzugt Auswanderer in Feriengegenden befällt.)



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Spätsaison-Herbstferien-Publikum, fernab von Malle-Klischees. Viele Familien mit Kindern. Die Eltern kommen mir alt und unentspannt vor, halb amüsiere ich mich, dass Einzelne für mich wie eine Prophezeiung der nächsten zehn Jahre sein könnten. Am zweiten Tag die Erkenntnis: Das ist nicht die Glaskugel, das ist ein Spiegel.

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Das Wetter ist, erstaunlich genug, noch warm genug zum Baden. Das Mittelmeer Anfang November ist wärmer als die Ostsee in manchem August.




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(Der dicke Vogel fängt den Wurm.)

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(Der Kaktus zeigt uns den Finger.)

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Bildschirmschoner-Fotografie. (Über eine andere Art der Fotografie, die mich beschäftigt hat, demnächst mehr.)

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Am Strand wächst Mangold.

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Am Sonntag sind wir tatsächlich fast die Letzten, die das Hotel verlassen. Angemessener Weise regnet es in Strömen.



Sonntag, 5. November 2017

Donnerstag, 2. November 2017

Besuch im Nebenzimmer (27)

Was war im letzten Monat so im Zweitblog los? Wie üblich eine Sammlung merkwürdiger Merkwürdigkeiten für den verschwiegenen Kenner und die verschwiegene Kennerin.

Natürlich ist wieder jemand gestorben, diesmal George Young, der große Bruder von Angus und Malcolm Young. Wenigstens einer in der Familie konnte vernünftige Lieder schreiben. Die jährliche Geburtstagserinnerung für John Coltrane, diesmal verbunden mit einem schönen Lied, das aus einer Flötenübung entwickelt wurde. Ich bin ja immer noch der Meinung, dass man die 90 % der kontemporären Musik für die Musik von Coltrane opfern könnte, ohne dass irgendjemandem etwas fehlte. Danach ein paar Zufallsfunde im Netz: Zum einen ein Brexit-Lied, das so furchtbar ist, wie ein Lied furchtbar sein kann, das aber gerade deswegen ganz gut als Illustration dient. Im Doppelpack mit dem Heavy-Metal-Bauer. Doof, aber ich muss immer lachen. "Meine Kuh muht, wenn sie kackt". Ein Rückblick auf Lieder zur atomaren Bedrohung, die ja jetzt leider wieder aktuell werden. Wo sonst findet man Men at work, Genesis, Schwoißfuaß, Ebba Grön und Crass in einem Post vereint?  Im Anschluss Musik ohne besonderen Anlass, sondern Musik, die einfach nur schön ist: Die Grateful Dead mit Box of Rain. Wenn ich zuhause Grateful Dead auflege, gibt es normalerweise Ärger, bei dieser Platte sind aber alle glücklich. Dann zweimal Comics: Eine kleine Betrachtung zu den Donald-Comics, die William Ward in den späten Dreißigern für das englische Micky Mouse Weekly zeichnete, mit einem Vergleich der Micky Maus-Zeitungscomics von Floyd Gottfredson. Danach eine kleine Studie zum Liebesleben von Donald Duck, beauftragt von der geheimnisvollen Leserin Donna. Was hatten wir diesen Monat noch nicht? Die Briten. Die übliche apokalyptische Predigt zum Brexit findet sich hier, mit schöner Musik von the Clash, Armagideon Time. Zu Halloween spielen uns die Dead Kennedys auf und weisen uns dezent darauf hin, wie sinnlos unser erwachsenes Leben ist. Vielen Dank dafür.

Schließlich ausnahmsweise kontemporärer Content (naja, drei Jahre alt): DeChangeman nimmt bösartige Kommentare zu seinen Youtube-Videos und macht daraus improvisierte Lieder auf der Gitarre. Schön! 

Nichts dabei diesen Monat? Vielleicht das nächste Mal (aber macht Euch nicht zu viele Hoffnungen). Die gesammelten Inhaltsverzeichnisse finden sich wie immer unter dem Tag "Nebenzimmer"

Mittwoch, 1. November 2017

Mit offenen Augen in den November

(Zugleich ein Beitrag für Ruths "I see faces"-Projekt.)

Diesen Kameraden habe ich vor einer Woche zum ersten Mal gesehen, obwohl ich schon seit über sieben Jahren an ihm am Nordbahnhof vorbeigehe. Wir beide sahen etwa ähnlich überrascht aus. 


Der November wird interessant. Viel potenzieller Dienstreisen-Content, und einiges, was ich in diesem Jahr noch zu einem guten Ende bringen muss. Ich bin mal gespannt.

Dienstag, 31. Oktober 2017

Auf Reisen

(Zugleich ein Beitrag für Frau Tonaris "Rost-Parade"-Projekt.)

Tatsächlich geht es jetzt noch einmal in den Süden an das Meer, für ein paar Tage Herbstferien in der mallorquinische Nachsaison. Kurzfristig noch einmal nachgesehen, ob die Fluglinie noch fliegt und ob die Balearen auch unabhängig werden wollen. Die Welt wird immer komplizierter. 

Hier ein Foto aus früheren Jahren mit einer Rostskulptur eines Reisenden (mit Köfferchen in der Hand). Hilft das Reisen dabei, keinen Rost anzusetzen? Ich weiß es nicht. 

Das ist mir natürlich viel zu gegenständlicher Rost. Lieber noch ein anderes Mallorca-Foto. Man beachte, wie hier der Rost die Struktur der vorher gezeigten Skulptur aufnimmt. Ein Zufall? Ich glaube nicht. 




Als musikalische Begleitung, die zum melancholischen November und auch thematisch passt, Frank Turner mit "Wanderlust".

Montag, 30. Oktober 2017

Nach dem Sturm



In Pankow war es relativ ruhig. Es hat uns nicht einmal die verbleibenden Feigen vom Baum geworfen.

Sonntag, 29. Oktober 2017

Vor dem Sturm

Ich habe gestern noch das Laub zusammengerecht und in die Biotonne gebracht, bevor es von dem Sturm wieder über den ganzen Garten zerstreut wird. Im Wesentlichen haben wir nur das bunte Laub unseres Kirschbaums, die Blätter des Feigenbaums und die Blätter der Buchenhecke, soweit sie jetzt schon fallen. Sofern das Laub nicht in mehreren Schichten auf dem Rasen liegt, sammelt man es am besten mit einem Grasrechen, sonst mit einem Spreizer. Auf Asphalt oder Fliesen benützt man am besten einen Reiserbesen. In Bayern konnte man die Reiserbesen bei der Baywa kaufen, hier weiß ich nicht, wo es sie gibt. Reiserbesen und Grasrechen sind zwei wunderbare Geräte, wenn man sie benutzen kann, die meisten können es nicht. Ich habe diese Gabe auch nur, weil ich in meinem Zivildienst, Tage, Wochen und Monate damit verbracht habe, Laub auf Rasen zusammenzurechen oder Laub von Wegen zu kehren. Man braucht ruhige, fließende Bewegungen, dann wird das Laub rechen oder kehren zu einer meditativen Tätigkeit. Ich habe Tage dafür gebraucht, da ich aber in meinem Leben eher Monate als Wochen mit Laub verbracht habe, war das kein Problem (und Laubrechen ist wahrscheinlich die einzige handwerkliche oder gärtnerische Tätigkeit, die ich besser beherrsche als mein Vater).

Beim Zivildienst haben die Schwestern uns immer angehalten, für die Igel Laubhaufen zu lassen. Wir haben das gemacht, auf der Fallobstwiese, die bis in den Spätherbst von Wespen belagert war, mein Chef wollte dann noch ein Schild "Igel, hierher kommen" dazu stellen, dafür gab es einen Anschiss von Schwester Oberin. 

Einmal hat die Sakristeischwester auf dem Rasen zwei tote Igel gefunden, wahrscheinlich von einem Hund erlegt. Wir kamen in der Früh in unser Hausmeisterzimmer und fanden einen Zettel: "Wer hat die kleinen Igel getötet? Sofort bei Schwester Oberin melden!" Wir gingen hin, ließen uns den Sachverhalt schildern. Die Schwestern waren überzeugt, dass mein Chef mit Absicht die Igel mit dem Aufsitzmäher überfahren habe. Mein Chef wies darauf hin, dass die Igel in sehr kleine Stücken gerissen worden wären, wenn er sie tatsächlich überfahren hätte, aber es half uns nichts: Wir standen unter dem Verdacht des Igelmords, ohne dass wir uns noch entlasten hätten können. (Schwester Luitburga, Edeltraud und Abunda, die diesen furchtbaren Verdacht hegten, leben inzwischen aber wohl nicht mehr. Damit besteht, außer ich wäre so dumm, den Sachverhalt z.B. im Internet noch einmal darzustellen, keine Gefahr mehr, dass ich in den falschen Verdacht des Igelmordes käme).

Freitag, 27. Oktober 2017

Bedeutende Dienstreisen (33)

Der Tag beginnt früh, das erste, was ich sehe, ist eine kleine tote Maus. Tagsüber, wenn die Katzenklappe geht, die Katzen aber nicht zur Begrüßung ins Wohnzimmer kommen, sondern unauffällig im Gang bleiben, weiß die Familie schon was zu tun ist: Meist kann man das Mäuschen noch befreien. In der Nacht können die Katzen aber ihr Werk meist vollenden.

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Aufruhr vor dem Haus: Zwei Taxis um 5:20 Uhr. Die Fahrer vermuten einen schlechten Scherz, aber es muss einfach noch ein anderer Nachbar früh hinaus.

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Die Sonne steht rot über dem Nebel, der Blick aus dem Flugzeugfenster ist surreal. Wenn man mit dem Handy durch Flugzeugfenster Qualitätsfotografien machen könnte, hätte ich jetzt ein paar New-Age-Bildschirmschoner.



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Unter den Wolken ist Nebel.

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Da ich in Baden-Württemberg bin, gibt es vernünftige Butterbrezn. Für ein erstes Frühstück nach vier Stunden ist das ideal.
(In Berlin habe ich letzthin gesehen, dass Leute Butterbrezn gemacht haben, indem sie Butter auf die Brezl geschmiert haben, ohne sie aufzuschneiden. Mein Gott!

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Die Sitzung beginnt mit Marketing. Bunte Herrenunterhosen spielen eine gewisse Rolle. Das Potenzial für unterwäschezentrierte Facebook-Gewinnspiele wird dargelegt. Es fällt ein wunderbarer Satz: "Die Marke muss duften wie die Kultur riecht." Die Marken der Läden, deren Unternehmenskultur ich kenne, müssten also eher streng und herb duften.

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Es geht mal wieder um Digitalisierung, aber es fällt weder das Wort "disruptiv" noch "Blockchain".  Ich fühle mich betrogen (vor allem, weil ich zudem keinen einzigen lustigen Satz aufschreiben kann.

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Gute Traditionen muss man fortführen: Die letzten zwei Mal wurde mein Rückflug aus Stuttgart annulliert und ich kam gerade noch mit dem Zug nach Hause. Im Moment sind wir bei 100 Minuten Verspätung. Mal sehen. (Nach über zwei Stunden ging's dann los. Alles gut.)